Şehîd Denîz Çiya war eine junge Frau aus Afrîn, die im Widerstand von Sheikh Maqsoud und Ashrafieh kämpfte. Drei Tage lang verteidigte sie allein ein Gebäude gegen Hunderte schwer bewaffnete Dschihadisten. Nachdem sie 53 von ihnen getötet hatte, wurde sie aus dem Gebäude geworfen, und ein Video, das ihren Körper schändete, wurde verbreitet. Als Reaktion darauf teilte die Gesellschaft von Rojava Bilder, auf denen sie wie ein Engel aus dem Gebäude fliegt. In dieser Erklärung bewertete Sozdar Avesta, Mitglied des Exekutivrats der KCK, die mutigen Taten von Şehîd Denîz und ihre Bedeutung für Frauen auf der ganzen Welt.

Sie ist ein Engel der Freiheit. Sie ist eine Göttin. Ich würdige sie mit Respekt und Dankbarkeit. Nicht diese Genossin allein wurde heruntergeworfen, sondern das Gewissen der Menschheit. Dazu ist nichts hinzuzufügen; keine Worte können es beschreiben. Dies ist eine Botschaft [der Dschihadisten] an alle Frauen, die Freiheit anstreben, und es sollte allen Frauen auf der ganzen Welt Angst einjagen.
Für Freiheitskämpfende ist es eine Botschaft der Rache und für Frauen eine Warnung, nicht gegen das System des „kastischen Mörders“ aufzubegehren. Der „kastische Mörder“ stellt die Geschichte in folgender Art und Weise dar: „Ich bin der kastische Mörder und entstand auf diese Weise. Im Himmel ist Gott, auf der Erde der Staat, ich bin der Herrscher und du stehst unter meinem Befehl.“ Der kastische Mörder will diese Philosophie aufzwingen. Doch diese Annäherung, ist kein Beweis für die Stärke des Systems: es beweist seine Furcht. Was sich dort [in Sheikh Maqsoud] zeigte, war der Geist der freien Frau, die Würde des kurdischen Volkes und die Würde des Volkes Kurdistans und aller Menschen und Frauen der Welt. Alle sollten wissen, dass diese würdevolle Genossin die Göttin der Freiheit für alle Frauen ist.
Saddam Hussein gelang es nicht, Leyla Qasim zu hängen. 1974 hängte Saddam Hussein Frauen, um sie einzuschüchtern. Im Widerstand in Scheich Maksud und Ashrafieh trat eine andere Leyla Qasim in Erscheinung. In Iran versuchten sie, sich durch die Exekution Şîrîn Elemhûlîs vor dem Zusammenbruch zu schützen, doch heute sind Millionen von Şîrîn Elemhûlîs auf den Straßen. Dies wurde tausendmal bewiesen. Weder die Morde an Frauen wie Seve, Pakize und Fatma noch an Vorreiterinnen des Befreiungskampfes wie Sara, Rojbîn, Leyla und Evîn werden uns aufhalten. Je mehr sie auf diese Praktiken pochen, desto entschlossener wird unser Kampf sein.
ISIS trägt die Verantwortung dafür. ISIS will sich rächen. Darum sollten sich die Menschen Kurdistans, die Frauen Nord- und Ostsyriens und alle Frauen Syriens des Folgenden bewusst sein: Gemäß al-Jolanis Verfassung werden Frauen nicht mehr sein als Dienerinnen und Sklavinnen. Im Vertrag vom 10. März gab er ihnen keinen Raum und rächte sich an jenen, die sich wehren. Man sagt, du öffnest den Frauen die Augen, gibst ihnen Wissen und Willensstärke. Sie rächen sich. Wir haben die Frauen der arabischen Gesellschaft gesehen. Wir sahen Manbidsch. Wir sahen, was sie den Frauen, die in demokratischen Institutionen arbeiteten, antaten. Wir sahen Derazor.
Diese Mentalität ist weit verbreitet und repressiv. Doch das zeigt nicht ihre Stärke – im Gegensatz, es zeigt, wie klein und schwach sie sind. Auf Kurdisch gibt das Sprichwort „Bê çare ne“, das bedeutet „sie sind hilflos“. Das zeigen sie. Auf diese Weise wollen sie unsere Furcht verstärken. Doch sie sollten es nur allzu gut wissen. Sie werden der Freiheit der Frau niemals im Wege stehen. Diese Mentalität hat Frauen tausende Jahre lang unterdrückt. Frauen haben Organisationen mit Gedanken und einer Philosophie gegründet – sie sind zu einer schützenden Kraft geworden.
Alle Frauen müssen Verantwortung für die Situation in Aleppo übernehmen und ihre Verteidigung stärken. Sie müssen ihre rechtmäßige Verteidigung, Organisation und Einigkeit stärken. Sie müssen politisch aktiv werden. Sie müssen lernen, sie selbst zu verteidigen. Ohne Verteidigung kann kein Wesen existieren. In Scheich Maksud und Ashrafieh verteidigen sie sich und ihr Volk. Sie hatten bloß ihre eigenen, leichten Waffen. Um ihr Volk zu verteidigen, entschieden sie sich für würdevollen Widerstand. Darum müssen Frauen Selbstverteidigung lernen. Nicht nur in Nord- und Ostsyrien – Frauen in der ganzen Welt brauchen Selbstverteidigung. Von Venezuela über die Ukraine bis Palästina. Wem fügten all diese Kriege Schaden zu? Frauen. Millionen von Frauen wurden massakriert. Aus diesem Grund entwickelte Rêber Apo diese Gedanken und Philosophie. Aus diesem Grund wollen sie sich an uns rächen. Die Befreiungsbewegung der Frauen Kurdistans spielt eine Vorreiterrolle in den Bereichen Ideologie, System, Organisation, Kraft und so weiter. Deshalb greifen sie uns so brutal an; sie wollen uns unterdrücken. Doch das wird ihnen niemals gelingen. Die Folge sind Widerstand und Auflehnung. Das hat die Geschichte bewiesen.
*Im neuen „Manifest des Friedens und der demokratischen Gesellschaft“ beschreibt Rêber Apo Männer, die sich organisieren, um die Gesellschaft zu unterdrücken als „kastische Mörder“.
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